Die Musiktherapie lässt sich in die aktive und in die rezeptive Musiktherapie
gliedern. Während die aktive Musiktherapie die Kinder aktiv musizieren lässt,
wird bei der rezeptiven Therapie sehr viel Musik gehört und diese anschließend
besprochen.
Unsere Arbeit orientiert sich an Themen und an Prozesse, das heisst, die zu
verarbeitenden Inhalte bringen die Kinder durch ihre eigene Geschichte selbst
mit in die Therapie.
Unsere kreative, leiborientierte Musik-Soziotherapie ist keine Psychotherapie!
Wir spielen mit Tönen, Dynamik, Klangfarben und finden durch die
Musik in Verbindung mit der Bewegung und der künstlerischen Gestaltung Wege, uns
auszudrücken.
Gerade für solche Kinder, die in ihrem eigenen Selbstverständnis weder
malen noch tanzen oder gar musizieren können, bietet diese Methode eine
Fülle von Möglichkeiten, jene Empfindungen, für die sie keine Worte finden,
begreifbar und greifbar zu machen. Unausgesprochenes wird mit Verstand,
Körper und Herz erlebbar, alles immer unter Einbeziehung
der sozialen Beziehungen des jeweiligen Kindes.
Wichtig ist, das der Musiktherapeut keine fertige Problemlösung liefert,
sondern sich darauf beschränkt, mögliche Wege zur Veränderung und damit
zur Verbesserung der jeweiligen Situation aufzuzeigen. Ziel des
Musiktherapeuten ist vor Allem die Steigerung der Kompetenz zur Selbsthilfe.
Praktisches Beispiel

Um die alltägliche Arbeit eines Musiktherapeuten einmal anhand eines
Beispiels aus der Praxis zu veranschaulichen, möchte ich folgende Geschichte
erzählen:
Der 11-jährige T. stört in seiner Klasse permanent den Unterricht durch
lautstarke verbale Attacken sowohl seinen Mitschülern, als auch der Lehrkraft
gegenüber. Zudem braust er sehr leicht auf und ist überaus ungeduldig.
In einer Therapiestunde brechen während eines lautstarken Trommelsolos
plötzlich alle aufgestauten Gefühle und Agressionen aus T. heraus und ihm
wird klar, wie sehr er unter dem Umstand leidet, daß seine Mutter immer so viel
arbeiten muß und dadurch nur sehr wenig Zeit für ihn hat.
Der Therapeut macht dem Jungen den Vorschlag, seiner Mutter doch einmal
ein Ständchen zu spielen und verwandelt zu diesem Zweck einen Stuhl durch
Überziehen eines Pullover in die Mutter.
T. wählt zielsicher eine Kalimba, entlockt diesem Instrument ausgesprochen
zarte und gefühlvolle Klänge und bricht anschließend in Tränen aus. Endlich
kann er seiner Wut und Enttäuschung Ausdruck verleihen und er begreift, daß
er ja gar nicht wütend auf seine Mitschülerund Lehrer, sondern tieftraurig
über die mangelnde Aufmerksamkeit ist, die er zu Hause erfährt.
Im Gespräch mit dem Therapeuten kommt T. dann ganz von selbst auf die Idee, das
Gespräch mit der Mutter zu suchen, um ihr seine Gefühle nah zu bringen
und seine Bedürfnisse einzufordern. Zusammen würden sie sicher Lösungen
finden, die wenige gemeinsame Zeit effektiver zu nutzen und mehr miteinander
ins Gespräch zu kommen.
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